MPU nach einem Strafverfahren
Viele Betroffene sind überrascht, wenn nach einem Straf- oder Bußgeldverfahren plötzlich Post von der Fahrerlaubnisbehörde kommt. Nicht selten wird darin die Teilnahme an einer medizinisch-psychologischen Untersuchung, kurz MPU, verlangt. Der Irrtum ist weit verbreitet, dass eine MPU nur nach Alkoholfahrten erforderlich sei. Tatsächlich kann sie auch bei Drogendelikten, Verkehrsgefährdungen oder sogar völlig verkehrsunabhängigen Straftaten angeordnet werden. Für viele stellt die MPU eine erhebliche Hürde dar, weil sie nicht nur Zeit und Geld kostet, sondern auch darüber entscheidet, ob die Fahrerlaubnis behalten oder wiedererteilt wird.
1. Warum die MPU angeordnet wird
Die Fahrerlaubnisbehörde ist unabhängig vom Strafgericht und prüft eigenständig, ob jemand zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet ist. Ein Strafverfahren kann Zweifel an dieser Eignung begründen. Dies gilt typischerweise nach Alkohol- oder Drogenfahrten, aber auch bei Besitz von Betäubungsmitteln ohne Bezug zum Straßenverkehr, bei aggressivem Verhalten im Straßenverkehr oder bei erheblichen Charakterzweifeln, die sich aus anderen Delikten ergeben. Entscheidend ist, ob die Behörde befürchtet, dass die Betroffene oder der Betroffene künftig im Straßenverkehr eine Gefahr darstellen könnte. Wird die Eignung infrage gestellt, kann die MPU verlangt werden, bevor die Fahrerlaubnis behalten oder zurückerlangt wird.
2. MPU nach Alkohol- und Drogendelikten
Der häufigste Grund für eine MPU sind Verkehrsdelikte unter Alkohol oder Betäubungsmitteln. Wer mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr fährt, muss regelmäßig mit einer MPU rechnen, selbst wenn es sich um einen Erstverstoß handelt. Nach Drogenfahrten ist die Behörde meist noch strenger: Bereits eine einmalige Fahrt unter dem Einfluss von Cannabis, Amphetamin oder anderen Betäubungsmitteln kann Zweifel an der Fahreignung begründen. Auch wer Betäubungsmittel besitzt oder konsumiert, ohne am Steuer erwischt worden zu sein, kann zu einer MPU verpflichtet werden, wenn die Behörde den Konsum als verkehrsrelevant einstuft. Für Betroffene ist es daher wichtig zu verstehen, dass strafrechtliche und fahrerlaubnisrechtliche Beurteilungen getrennt voneinander erfolgen.
3. MPU nach Straftaten ohne Verkehrsbezug
Weniger bekannt ist, dass eine MPU auch nach Straftaten angeordnet werden kann, die mit dem Straßenverkehr nichts zu tun haben. Dazu gehören Gewaltdelikte, Vermögensdelikte mit besonderem Vertrauensbruch oder wiederholte Verstöße, die auf mangelnde Selbstkontrolle schließen lassen. Die Behörde darf prüfen, ob charakterliche Defizite vorliegen, die auch im Straßenverkehr relevant werden könnten. Wer etwa wegen massiver Aggressionsdelikte oder wiederholten Betrugs auffällig wird, kann ebenfalls Zweifel an der Fahreignung wecken. Auch hier agiert die Fahrerlaubnisbehörde eigenständig und orientiert sich nicht allein an der strafrechtlichen Bewertung.
4. Ablauf und Ziel der MPU
Die MPU besteht in der Regel aus drei Teilen: einer medizinischen Untersuchung, einem Leistungs- und Reaktionstest und einem psychologischen Gespräch. Ziel ist nicht, Betroffene zu bestrafen, sondern ihre aktuelle Fahreignung zu beurteilen. Insbesondere im psychologischen Teil erwarten die Gutachter eine Auseinandersetzung mit dem vorherigen Verhalten, Einsicht und stabile Veränderungen. Viele scheitern nicht an mangelnder Fähigkeit, sondern an unzureichender Vorbereitung. Ohne glaubhafte Reflexion und nachvollziehbare Verhaltensänderungen fällt das Gutachten negativ aus, was zur Entziehung oder Nichterteilung der Fahrerlaubnis führt.
5. Bedeutung der strafrechtlichen Verteidigung für die MPU
Auch wenn die MPU verwaltungsrechtlich ist, hat die strafrechtliche Bewertung erheblichen Einfluss auf spätere Entscheidungen der Fahrerlaubnisbehörde. Ob ein Verfahren eingestellt wird, welche tatsächlichen Feststellungen im Urteil stehen oder ob ein Delikt als einmalige Entgleisung oder als charakterliches Problem erscheint, beeinflusst die spätere Fahreignungsprüfung maßgeblich. Eine durchdachte Verteidigungsstrategie kann daher dazu beitragen, die Grundlage einer späteren MPU zu entschärfen oder ganz zu vermeiden. Ebenso wichtig ist es, frühzeitig zu dokumentieren, welche Schritte zur Verhaltensänderung unternommen wurden, etwa Abstinenznachweise oder Beratungen.
6. Was Betroffene nach Anordnung einer MPU beachten sollten
Wer zur MPU geladen wird, sollte den Termin nicht auf die leichte Schulter nehmen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den Gründen der Anordnung und eine ernsthafte Vorbereitung sind entscheidend. Dazu gehören Informationen über Abstinenznachweise, Kurse zur Wiederherstellung der Fahreignung und ein realistischer Zeitrahmen. Ein negatives Gutachten erschwert die Wiedererteilung erheblich und führt oft zu langen Verzögerungen.
7. Fazit
Die MPU kann nach einer Vielzahl unterschiedlicher Delikte angeordnet werden und ist weit mehr als eine medizinische Prüfung. Sie entscheidet darüber, ob eine Fahrerlaubnis bestehen bleibt oder neu erteilt wird. Wer die Hintergründe und den Ablauf kennt, kann sich besser vorbereiten und unnötige Nachteile vermeiden. Auch wenn die Fahrerlaubnisbehörde eigenständig entscheidet, beeinflusst das strafrechtliche Verfahren die Ausgangslage häufig ganz erheblich. Eine klare Einordnung der Vorwürfe und eine sorgfältige Vorbereitung auf die MPU helfen, die Weichen frühzeitig richtig zu stellen.
Rechte recht einfach erklärt
2000+ Personen vertrauen bereits auf uns.
Hol dir jetzt rechtliche Hilfe!










